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Standardstrom besser, aber trotzdem kaum neue Erneuerbare

30.05.2018

Gemeinsam mit dem WWF hat myNewEnergy den Standardstrom von 139 Schweizer Energieversorgern untersucht. Der Strommix hat sich zwar seit 2014 deutlich in Richtung erneuerbare Energien verbessert, allerdings meist durch den Verkauf des bestehenden Wasserstroms und nicht durch einen Wandel unseres Herstellungsmixes. Es sind nur wenig NEUE Erneuerbare dazu gekommen, diese sind aber für eine echte Energiewende nötig.

Schweizer Haushalte sind durch die ausbleibende Liberalisierung bei ihrem jeweiligen Energieversorger gefangen. Wer sich also nicht aktiv um die Stromversorgung kümmert, erhält das Standardprodukt des lokalen Anbieters. Dieses war bis vor wenigen Jahren oft günstiger Atomstrom oder - noch schlimmer -  ein Produkt mit ausländischem Kohlestrom.

Zusammensetzung auf den ersten Blick positiv

In den letzten Jahren hat sich die Zusammensetzung des Stroms stark verbessert, wie man auch an der fast vollständig grünen Stromlandschaft sieht. Bis auf wenige Ausnahmen haben die Anbieter fast vollständig erneuerbare Standardprodukte eingeführt (siehe Grafik). Die Entwicklung wurde durch die 2016 eingeführte Deklarationspflicht getrieben, wodurch plötzlich sichtbar wurde, dass die Versorger den sauberen Wasserstrom ins Ausland verkaufen und daheim fossilen Strom liefern.

Alter Wasserstrom günstig

Ein anderer Grund für die grosszügig in den Standardprodukten verkaufte Wasserkraft dürfte auch die Teilliberalisierung und der damit offene Markt für die Grosskunden sein. Diese decken sich nun am Strommarkt mit billigem Graustrom ein. So bleiben genug Zertifikate übrig, um - ohne wirkliche Veränderung des Produktionsmixes - die Standardkunden mit Wasserstrom zu versorgen. Dieser stammt mehrheitlich aus jahrzehntealten Wasserkraftwerken und trägt damit wenig zur Energiewende bei.

Minimaler Anstieg von neuem Solar-, Wind- oder Biomassestrom

Eine genauere Analyse zeigt deutlich, dass der Anteil an neuen erneuerbaren Energien seit 2014 in den Standardprodukten nur mininal gestiegen ist – von 1.4% auf 2.2%. Durchschnittlich liegt die myNewEnergy-Note damit unter 4.4 - also nicht mal befriedigend. Erst ab einer Note von 5.5 (Sehr gut) haben die Produkte erhöhte Anteile Solar-  und Windstrom. Das ist wichtig, da die Wasserkraft in der Schweiz nur noch mässig ausgebaut werden kann und der Ersatz der Atomkraftwerke primär durch Solar- und Windanlagen erfolgen muss. Eine Analyse zeigt, dass 2018 zwar rund 40% der Versorger auch Strom aus neuen Erneuerbaren einmischen, aber der durchschnittliche Anteil mit 2.2% sehr tief liegt, was auch durch unsere tiefen inländischen Ausbauraten bestätigt wird. Verbraucher, die die Energiewende wirklich vorantreiben wollen, sollten also weiterhin auf sehr gut bewertete Ökoprodukte wie «naturemade star» oder gleich auf ein reines Solarstromprodukt setzen.

Vollständige Medienmitteilung :

Icon 20180530_MM_myNewEnergy_Standardstrom_besser_aber_wenig_Neues_DE.pdf (293,7 KB)

 

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